Neuigkeiten

Need for Speed Heat Heiße Rückkehr auf die Straße?

Klappe, die Vierte: Mit Need for Speed Heat wollen die Schweden von Ghost Games erneut Arcade-Rennen, Verfolgungsjagden und eine offene Welt unter einen Hut bringen. Wir sind der Einladung von Electronic Arts ins britische Guildford gefolgt, um für die Vorschau zu überprüfen, ob man mit dem Ausflug nach Palm City das schwache Payback übertrumpfen kann.

Performance im grünen Bereich

Die gute Nachricht zuerst: Im Vergleich zur Gamescom-Demo haben die Entwickler von Ghost Games ordentlich an der Performance von Need for Speed: Heat geschraubt. In Guildford lief die Auto-Action auf der PS4 Pro in der angepeilten 4k-Bildausgabe durchweg flüssig, wenngleich die für Rennspiele eigentlich besseren 60 Bilder pro Sekunde leider nicht erreicht werden. Auch auf einen Performance-Modus wurde verzichtet. Allerdings wurden diese Verbesserungen wohl auch mit visuellen Abstrichen bezahlt: Es gibt auf der Pro deutlich sichtbare Pop-Ups und Texturnachlader. Zudem wirkt das von Miami inspirierte Palm City vor allem bei Tag streckenweise trostlos und detailreduziert – und ist damit überhaupt kein Vergleich zum auf Hochglanz polierten Forza Horizon 4, mit dem sich der Open-World-Raser messen lassen muss.

Immerhin floss für Heat mehr Arbeit in das Design der offenen Welt, die nur einer von vielen Kritikpunkten des unterdurchschnittlichen Vorgängers Payback war. Wie die Entwickler verrieten, wollte man dieses Mal die Rennstrecken in den Mittelpunkt stellen, entwarf also zunächst das Gelände, um dann spannende Routen platzieren zu können. Zudem griff man zu einem Trick: Palm City ist von Miami und dem umliegenden Florida inspiriert. Einige Entwickler unternahmen sogar eine Reise in die USA, um vor Ort für das Weltdesign zu recherchieren. Da die Umgebung am südöstlichsten US-Zipfel aber völlig flach ist, integrierte man auch die Berge des angrenzenden Georgia in die offene Welt, um dramatische Rennstrecken über gewundene Bergstraßen bieten zu können. Das Ergebnis ist eine in den ersten Stunden durchaus überzeugende offene Welt, die zwischen staubigen Offroad-Pisten, Highways und Boulevards viel Abwechslung bietet.

Rennfahrer am Tag, Outlaw in der Nacht

Abwechslung ermöglicht auch das zweigeteilte Spieldesign, mit dem Ghost Games die beiden Elemente von Need for Speed zusammenführen möchte. Am Tag nimmt man an offiziellen Rennveranstaltungen rund um Palm City teil, die sich in Straßenrennen, Drift-Herausforderungen und Offroad-Veranstaltungen aufteilen. Hier ist man meist auf abgesteckten Rundkursen unterwegs, bei denen Ghost Games versucht das Festival-Flair von Forza Horizon einzufangen, was allerdings nur bedingt funktioniert. Mit guten Platzierungen verdient man hier Geld, um sich neue Fahrzeuge zu besorgen oder im Tuning-Shop einkaufen zu gehen. In der Nacht begibt man sich auf die Straße, um an illegalen Punkt-zu-Punkt-Straßenrennen teilzunehmen, andere Crews und ihre Anführer zu konfrontieren und dabei Reputation zu sammeln. Hier steht vor allem die Auseinandersetzung mit der Polizei im Vordergrund, die auf die illegalen Renn-Aktivitäten mit aller Härte des Gesetzes reagiert und in einer über mehrere Stufen stattfindenden Eskalation immer schwereres Gerät in den Einsatz gegen die Spieler-Raser schickt. Ghost Games orientiert sich hier am Fan-Liebling Most Wanted und schafft es in der völlig effektüberladenen Nacht von Palm City tatsächlich, einigermaßen unterhaltsame Rennen im fließenden Verkehr zu inszenieren. Schön: Am Tag kann jederzeit per Tastendruck im Kartenbildschirm mit einer coolen Animation in die Nacht gewechselt werden, um wieder tagsüber zu fahren muss man allerdings bei einem Safehouse eine Ladezeit in Kauf nehmen.

Diese Abwechslung zwischen legalen Veranstaltungen und illegalen Nachtrennen im Verkehr und der Polizei im Nacken funktioniert in den ersten Stunden erstaunlich gut und sorgt mit unterschiedlichen Währungen (Reputation zum Freischalten von Teilen und Autos, Geld zum Kauf ebendieser) zudem für ein Gleichgewicht zwischen den beiden Elementen, sodass man regelmäßig bei Tag und in der Nacht unterwegs ist. Allerdings zeigt sich das Gegnerverhalten in den Rennen der gezeigten Vorschau-Fassung merkwürdig inkonsistent: So wurde laut den Entwicklern das Gummiband in den Renn-Events abgeschafft und die angepeilten Rundenzeiten der KI-Raserkollegen anhand ihres Fahzeuglevels berechnet. Das funktioniert in den meisten Veranstaltungen auch überzeugend, sodass man z.B. einen Vorsprung auf die Gegner herausfahren kann. Es kam in Guildford allerdings auch vor, dass vor allem in Story-Missionen deutliches Geschwindigkeits-Scripting spürbar wurde – etwa wenn die KI kurz vor der Ziellinie wartet. Es bleibt abzuwarten, welchen Eindruck das Gummiband zu Release hinterlässt, denn das Gegnerverhalten wirkte zu wenig berechenbar.

Die (natürlich völlig korrupte) Polizei mit ihrem (natürlich durch und durch fiesen) Anführer Frank Mercer steht auch im Mittelpunkt der Story von Heat, die dankenswerterweise deutlich weniger peinlich präsentiert wird als bei Need for Speed (2015) oder Payback. Zwar gibt es z.T. immer noch dümmlich-pathetische Zwischensequenzen und einige obercoole Dialoge, aber die kaum zu ertragenden Realfilm-Einspieler sind zum Glück Vergangenheit – unter anderem, da man seinen Charakter jetzt freier gestalten und einkleiden kann und dieser in den Cutscenes auftaucht. Zudem versuchen die Entwickler auch neben der Hauptgeschichte kleine Story-Sprenkler einzubringen. So gibt es für jede Renn-Disziplin so genannte Race-Stories – kleine Nebengeschichten, die die Lieblingsdiszplin auch inhaltlich begleiten und einen erzählerischen Rahmen um die Drift-, Offroad oder Rundkursrennen spinnen sollen.

Tags

Related Articles

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Back to top button
Close
Close

Adblock Detected

Bitte Schalte dein Ad Blocker aus